Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul in Salem-Weildorf Salem
Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Weildorf verfügt über ein vierstimmiges Geläut. Darunter befinden sich drei historische Glocken der Gießereien Koch und Rosenlächer, welche im Jahr 2000 um eine Glocke, gegossen von Bruder Michael Reuter, ergänzt wurden.
Der ehemalige Glockensachverständige, Kurt Kramer, schreibt in seinem Abnahmebericht der neuen Glocke:
„Die musikalische Wirkung des nunmehr vierstimmigen Geläutes überrascht. Nimmt man zunächst die Tonanalysen vor, betrachtet sie, könnte man eigentlich ein musikalisches Chaos erwarten. Die Wirklichkeit hört sich anders an. Die beiden Rosenlächer-Glocken aus dem Jahre 1857 sind sehr schöne Klanginstrumente, deren zur Septime erhöhte Untertöne das Klangbild nachhaltig prägen. Für eine Felix-Koch-Glocke außergewöhnlich schön, die Glocke aus dem Jahre 1821 mit abgeformter Feuchtmeierzier in Perfektion. In ihrer musikalischen Klangentfaltung steht die Felix-Koch-Glocke den Rosenlächer in nichts nach. Für mich persönlich ist sie eigentlich die schönste Glocke im Geläute. Musikalisch überrascht die von Bruder Michael in Maria-Laach gegossene fis’-Glocke, die Peter und Paul-Glocke, der Nachguss einer Rosenlächer-Rippe. Wer weiß, dass er eine neue Glocke beurteilen soll, ist zunächst von ihrem Klang irritiert. Ihr Klangbild ist alles andere als das einer neuen Glocke, man glaubt eigentlich original Rosenlächer zu hören. Dies war so beabsichtigt und insofern ist die kleine fis’-Glocke eine Meisterleistung mit einem Schwierigkeitsgrad der Rippenkonstruktion von beachtlichem Niveau. Das Glöckchen wird bei Nacharbeitung des Klöppels ganz sicher noch an Klangwirkung gewinnen. Die Motive, die man in diesem 4-stimmigen Geläute musikalisch zusammenstellen kann, sind von einer Vielfalt, die ebenfalls überrascht. So kann man sogar die große a’ und die kleine fis’’ als Zweiergeläute hören. Ein sehr ernstes, trauriges Motiv, das bei neuen Glocken dieses Intervalls kaum erträglich ist. Am meisten von allen Kombinationen hat mich, auch in der Reihenfolge so geläutet, a’, dis’’, gis’’ beeindruckt. Ein besinnliches und doch sehr feierliches Motiv, das –meine ich– von der großen Glocke her eingeschaltet werden muss. Für Salem-Weildorf wird sicherlich eine sehr ausführliche Läuteordnung erarbeitet werden müssen, um dieses kleine, sehr eigenwillige aber überaus reizvolle Geläute in seiner ganzen musikalischen Vielfalt erklingen zu lassen.“
In einem über der Vierung der Kirche eingebauten, hölzernen Glockenturm hängen die vier Glocken in einem in den vergangenen Jahren sanierten und ergänzten, im Grunde jedoch historischen, Glockenstuhl. Der historische Holzglockenstuhl wurde auf beispielhafte Weise nach oben hin ergänzt. Die Zimmermannsarbeiten weisen eine hohe handwerkliche, aber auch im Sinne der Denkmalpflege gestalterische Qualität auf.
In den Uhrenschlag sind die Glocken 1 und 2 integriert. Glocke 2 übernimmt den Viertelstundenschlag, Glocke 1 den Stundenschlag. Der Turm verfügt über Uhrenzifferblätter; er besitzt kein mechanisches Räderuhrwerk.
Musikalische und technische Daten
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| Gießer | Gussjahr | Material | Ø in mm | kg | Nominal |
| 1 | Felix Koch, Salem | 1821 | Bronze | 962 | 558 | a’±0 |
| 2 | Carl Rosenlächer, Konstanz | 1857 | Bronze | 800 | 300 | h’+4 |
| 3 | Carl Rosenlächer, Konstanz | 1857 | Bronze | 634 | 157 | dis’’+8 |
| 4 | Br. Michael Reuter, Maria Laach | 2000 | Bronze | 517 | 74 | fis’’+11 |